Reitest du eigentlich auch?

Bei Pferdeshootings ist das wohl die häufigste Frage, die mir gestellt wird. Und die Antwort ist: JA! Leider viel seltener, als ich gerne würde - aber ein bis zwei mal in der Woche schaffe ich es doch in den Stall. Dort warten meistens Barockpinto Atze, Haffidame Wibi und ihre Besitzerin Kim auf mich und Lotta. Ich reite absolut ohne Ambitionen: Alles, was ich will, ist ein paar schöne Stunden im Stall zu verbringen und bei den Pferden auszuspannen. Das geht am besten bei unseren langen Ausritten, bei denen Wibi & Atze so gut wie  immer super lieb sind. Sogar Lotta, die zugegebener Maßen manchmal etwas aufgedreht ist, kann die beiden nicht aus der Ruhe bringen. Uns verschlägt es - meistens bei guten Wetter (wir haben einfach immer Glück!) - über Wald- und Feldwege. Dabei fällt es mir übrigens oft schwer, die Route der vorigen Woche wiederzufinden: Ich habe mich nicht erst einmal verritten! Glücklicherweise sind meine beiden Reitbeteiligungen sehr genügsam und tragen uns immer zuverlässig nach Hause. Auch, wenn es mal quer durch den Wald gehen muss, weil man den Rückweg nicht mehr findet. 

Die Pferde bieten mir einen der schönsten Ausgleiche zur täglichen Büroarbeit und gerade Atze ist ein wahrer Künstler darin, mich an jedem noch so doofen Tag wieder aufzuheitern. Ihn habe ich in der letzten Zeit besonders ins Herz geschlossen und freue mich nach langen Dienstreisen schon Tage vorher, den "Dicken" wiederzusehen. 

Aber auch aus fotografischer Sicht ist es für mich wichtig, dass ich reite. Nicht umsonst ist die Frage nach den eigenen Erfahrungen eine der häufigsten, die mir gestellt wird. 

Schon zu Beginn meiner Laufbahn als Fotografin habe ich gemerkt, wie sehr es mir zu Gute kommt, dass ich als Kind 9 Jahre lang jedes Wochenende im Schulpferdestall verbracht und fleißig für meinen Basispass gebüffelt habe: Ich musste als Fotografin nie lernen, welche Phasen beim Pferd die richtigen sind, wie ein gesundes Pferd auszusehen hat oder was einen guten Sitz ausmacht. Diese Dinge hatte ich nach neun Jahren im Stall schon verinnerlicht. Auch der Voltigierunterricht, den ich irgendwann den Jüngsten in unserem Stall gab, erweist sich heute noch als sehr vorteilhaft: Oft ertappe ich mich dabei, wie ich auf dem Reitplatz stehe, die Kamera im Anschlag und neben "Lächeln, lächeln, lächeln!" auch Sätze wie "Hände runter, Schultern zurück" oder "Er ist ganz schön tief im Genick, lass ihn mal mehr voran gehen" von mir gebe.  Das soll in diesem Fall keine Kritik sein, im Gegenteil: Meine Models sind meistens sehr froh über meine Anweisungen, denn es ist wirklich schwer, sich neben dem guten Sitz auch noch auf sein Pferd, den vorgegebenen Weg und seinen eigenen Blick zu konzentrieren. 

Ich glaube, dass meine Kunden oft ein besseres Gefühl haben, wenn sie wissen, dass ich mich selbst in sie hineinversetzen kann. Ich weiß, wie aufgeregt man werden kann, wenn das Pferd mal nicht das macht, was es soll - und noch besser weiß ich, wie sich der eigene Stress dann aufs Pferd überträgt. Glaubt mir - da habe ich eigene Erfahrungen mit machen müssen. 

Dabei weiß ich natürlich, dass man nie auslernt, und genau deswegen bin ich froh, mich durch die tollen Kontakte die mein Beruf mir bringt, immer weiterbilden zu können. Nirgends lernt man mehr  über die Zucht als bei den Züchtern selbst, und niemand kann einem mehr über Sitz, Phasen und Haltung beibringen als erfahrene Berufsreiter. 

 

Abschließend noch einmal einen riesen Dank an die liebe Kim, die so viel Geduld mir hat und mir ihre beiden tollen Pferde anvertraut. 

Das Bild von mir und Atze hat meine momentane Praktikantin Elina von uns gemacht. 

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